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150 JAHRE
LASIUS
PROFESSORENHÄUSER

Die Zwillingshäuser Marienhöhe und Auf der Hoeh' im Jahr 1886, zehn Jahre nach ihrer Errichtung.         Fotograf: Robert Breitinger, Baugeschichtliches Archiv Zürich

Das Lasius-Ensemble im äusseren Zürcher Englischviertel

Im Jahr 1876 wagte Architekturprofessor Georg Lasius einen kühnen Schritt: Auf freiem Feld an der erst kurz zuvor gebauten Freiestrasse, an der Grenze zwischen Hottingen und Hirslanden, errichtete er zwei verblüffend moderne Wohnhäuser – eines für sich und seine Familie, das andere für seinen Professorenkollegen Adolf Kraemer.

Während Lasius den Zwillingsbau Marienhöhe seines Kollegen baukonstruktiv konventioneller anlegte, entwarf er sein eigenes Haus Auf der Hoeh’ als visionären Experimentalbau. Dieser war mit einer innovativen Warmluftzentralheizung sowie dem wohl ersten modernen Wärmedämmsystem der Schweiz ausgestattet, das heute nach 150 Jahren noch immer eindrücklich funktioniert. Beide Neuerungen stellte Lasius 1879 ausführlich in der führenden Fachzeitschrift Die Eisenbahn (später Schweizerische Bauzeitung) vor. Weitsichtig propagierte er darin bereits die energetische Optimierung von Gebäudeaussenhüllen und beklagte zugleich das Fehlen der nötigen Einsicht im Fachpublikum – ein Thema von heute hochaktueller, nationaler Bedeutung (vgl. etwa das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen).

1885 kam ein drittes Gebäude hinzu – ein Maleratelier für Arnold Böcklin, Freund von Lasius und einer der bedeutendsten Künstler seiner Zeit. Den Atelierbau führte Lasius mit einer innovativen Flachdachkonstruktion aus, die er zeitgleich auch beim Bau des ETH-Chemiegebäudes zur Anwendung brachte. Während das Böcklinatelier seit 1981 überkommunal unter Denkmalschutz steht, blieben die beiden Professorenhäuser lange weitgehend unbeachtet und wurden bei der denkmalpflegerischen Inventarisierung übersehen.

Dass sie nun wieder in den Fokus gerückt sind, ist einem Zufall zu verdanken: Als der Abriss in Unkenntnis der Geschichte dieser Häuser geplant wurde, stiessen Quartierbewohner auf ältere Publikationen, die auf die ausserordentliche Bedeutung der Bauten hinwiesen bzw. diese zumindest bereits erahnen liessen. Inzwischen wurden die Professorenhäuser von Wissenschaftlern des Kompetenzzentrums Baudenkmal der ETH Zürich eingehend untersucht und in einem umfangreichen bauhistorischen Gutachten gewürdigt (siehe Downloads). 

Das Gutachten der ETH belegt durch den Abgleich historischer Plan- und Bildquellen mit dem heutigen Zustand – Ansicht für Ansicht, Raum für Raum – noch immer erstaunlich weitgehende Übereinstimmungen. Der Unterhalt hat in den vergangenen Jahren gelitten, weshalb eine denkmalgerechte Renovierung geboten erscheint. Vom derzeit ungepflegten Erscheinungsbild sollte man sich nicht täuschen lassen, schon nach einem simplen Anstrich wäre der Eindruck ein ganz anderer. Ein 1979 zwischen den beiden Häusern errichteter flacher Zweckbau beeinträchtigt den hohen Eigenwert der Lasius-Bauten nicht. Es handelt sich um eine Ergänzung, die die für den Eigenwert massgebliche historische Bausubstanz der Zwillingshäuser nicht beseitigt hat. Obwohl sich der Zweckbau den historischen Bauten unterordnet und zudem üppig begrünt ist (siehe Drohnenaufnahmen), erscheint zur weiteren Steigerung des Situationswerts ein teilweiser oder vollständiger Rückbau des Zwischenbaus mittel- bis langfristig denkbar.

 

Beide Häuser werden heute entsprechend ihrem ursprünglichen Zweck als Wohnhäuser genutzt und bieten im Rahmen einer Zwischennutzung sowie eines Gebrauchsleihevertrags rund 25 jungen Leuten ein Zuhause in einem der attraktivsten Quartiere der Stadt. Damit leisten sie einen Beitrag zu einer vom Umfeld geschätzten sozialen Durchmischung.

Georg Lasius lehrte während sechzig Jahren an der ETH Zürich und stand während drei Jahrzehnten – als Nachfolger von Gottfried Semper – der bedeutenden Bauschule vor. Er gilt als einer der einflussreichsten Zürcher Architekten des 19. Jahrhunderts. Die Professorenhäuser sind einzigartige Vorläufer jenes von Lasius angestossenen Zürcher Sichtbacksteinbooms der Jahre 1883 bis 1914, der mit rund tausend Sichtbacksteinbauten bis heute das Stadtbild prägt.

Bereits im Juli 2024 wandte sich der Quartierverein Hirslanden in einem Schreiben an die Denkmalpflege der Stadt Zürich. Er setzt sich für den Erhalt des Ensembles ein, das für Hirslanden, die Stadt Zürich und weit darüber hinaus unter bautechnikgeschichtlichen, sozialgeschichtlichen, architekturgeschichtlichen, siedlungsgeschichtlichen und kulturhistorischen Aspekten von grosser Bedeutung ist, und fordert, «die beiden Häuser an der Freiestrasse 134 und 138 unverzüglich unter Denkmalschutz zu stellen und zu erhalten». Dieser Forderung schloss sich die Redaktion von Hochparterre in einem Artikel an; zuvor hatte bereits die NZZ im Feuilleton berichtet (siehe Pressestimmen).

Diese Website widmet sich der Geschichte des Lasius-Ensembles. Sie macht Quellen zugänglich, erschliesst Zusammenhänge und lädt zum Weiterforschen ein.

Das Informationsangebot befindet sich noch im Aufbau, derzeit ist erst ein Teil der gesammelten Informationen online abrufbar.

Historische Bedeutsamkeit

Professorenhäuser von 1876

Bautechnikgeschichtlich

Einzigartige Vorläufer des Zürcher Sichtbackstein-Booms 1883 1914.

Experimentalbau mit schweizweit präzedenzlosem visionären

Wärmedämmsystem.

Sozialgeschichtlich

Zeugnisse für die Wohnkultur von Professoren des damals noch jungen

Eidgenössischen Polytechnikums (ETH).

Architekturgeschichtlich

Verblüffend moderne Häuser eines der einflussreichsten Zürcher

Architekten des 19. Jahrhunderts, die sich deutlich von anderen Bauten

des Semper-Schülers Lasius unterscheiden.

Siedlungsgeschichtlich

Pionierbauten auf freiem Feld: die ersten Häuser des äusseren Englischviertels.

Kulturgeschichtlich

Das Lasius-Ensemble war ein Ort der gegenseitigen Inspiration.

Biografien

Georg Lasius


Geboren 1835 in Oldenburg in eine norddeutsche Baumeister- und Architektenfamilie
Vater: Otto Lasius, Architekt und Oberbaudirektor des Grossherzogtums Oldenburg.
Mutter: Henriette Juliane geb. Baylon aus Nyon am Genfersee, wo ihre Familie eine Fayencenmanufaktur betrieb
.
Lasius' Mutter kam ursprünglich aus der Schweiz nach Oldenburg, um als Gouvernante gemeinsam mit den Schwesters des Vaters die Kinder des Grossherzogs zu erziehen, u.a. Prinzesssin Amalie, die spätere Königin von Griechenland.
1851–1853 zunächst Matrose und Seefahrer

1854–1857 Architekturstudium am Polytechnikum Hannover, Schüler von Conrad Wilhelm Hase
(Hase war der wichtigste Exponent der Hannoverschen Backsteinschule, Diktum «Putz ist Lüge!»)

1859 Weiterstudium am Polytechnikum Zürich (heute ETH) bei Gottfried Semper

1862 Habilitation in Zürich, danach Privatdozent für Architektur

Ab 1867 Professor für Baukonstruktionslehre und architektonisches Zeichnen

1873–1905 Vorsteher der Bauschule als Nachfolger von Gottfried Semper

1875 Einbürgerung (schenkweise, ehrenhalber)

1905 Ehrendoktorwürde der Universität Zürich

1923 Rücktritt nach 60 Jahren Lehrtätigkeit an der ETH, † 1928 in Zürich mit 93 Jahren als ältester Bürger Zürichs

Georg Lasius fokussierte sich auf die Lehre, praktizierte aber auch selbst als Architekt. Wiederholt baute er auch im Auftrag des Bundes (ETH Chemiegebäude, ETH Physikgebäude). Er bildete mehrere Generationen von Schweizer Architekten aus. Lasius gilt als einer der einflussreichsten Zürcher Architekten des 19. Jahrhunderts und Auslöser des Zürcher Sichtbacksteinbooms 1883–1914. Visionär sind seine 1879 publizierten Gedanken zur Energieeffizienz von Häusern, sie beziehen sich direkt auf seine Realisierung eines modernen, schweizweit wohl präzedenzlosen Wärmedämmsystems beim Bau seines Wohn- und Experimentalhauses Auf der Hoeh' an der Freiestrasse 138 in Zürich.

Lasius war Vater von vier Söhnen; alle vier widmeten ihr späteres berufliches Schaffen der Architektur und/oder Kunst.

Adolf Kraemer

Lasius erbaute das Zwillingshaus Marienhöhe an der Freiestrasse 134 für seinen Professorenkollegen Adolf Kraemer, den Leiter der damals neuerrichteten Landwirtschaftsabteilung des Eidgenössischen Polytechikums (ETH).

Arnold Böcklin

Lasius erbaute 1885 als drittes Gebäude des Ensembles ein Maleratelier für seinen Freund Arnold Böcklin, einen der bedeutendsten Maler seiner Zeit. Das Atelier war ursprünglich über die Freiestrasse erschlossen.

Pressestimmen

Vergessene Revolutionen

Feuilleton der NZZ vom 13. März 2025

«Der Abriss der Zwillingshäuser wurde in Unkenntnis der Bedeutung dieser Bauten geplant. Es wäre beschämend, wenn es tatsächlich dazu käme. Damit ginge nicht nur ein Bauensemble eines der einflussreichsten Zürcher Architekten seiner Zeit verloren, sondern auch ein Prototyp energieeffizienten
Bauens, der die Brücke schlägt vom technologischen Fortschritt des 19. Jahrhunderts zu den heute virulenten Fragen des haushälterischen Umgangs mit Energie und Ressourcen.»

Einmaliger Bauzeuge aufgetaucht - und vom Abriss bedroht

hochparterre.ch vom 7. Juni 2025

«... nicht nur die findigen Nachbarn, sondern auch der
Heimatschutz haben gegen den Abbruch rekurriert. Auch der
örtliche Quartierverein Hirslanden ist aktiv geworden und hat sich in einem Schreiben an die Denkmalpflege der Stadt Zürich
gewandt. Darin verlangt der Quartierverein, dass ‹die beiden
Häuser an der Freiestrasse 134 und 138 unverzüglich unter
Denkmalschutz gestellt und erhalten werden›.
Diesem Aufruf schliessen wir uns gerne an.»

Quellen / Downloads

Bauhistorisches Gutachten zur Abklärung der Schutzwürdigkeit vom 3. Mai 2024

Kompetenzzentrum Baudenkmal der ETH Zürich, Institut für Denkmalpflege und historische Bauforschung

Verfasst von Dr. Jasmin Schäfer und Prof. Dr. Stefan M. Holzer

Publikation Georg Lasius 1879

Warmluftheizung mit continuirlicher Feuerung. In: Die Eisenbahn / Le chemin de fer,

Bd. XI, 1880, Nr. 25 vom 20. Dezember 1879, S. 145–148 und Nr. 26 vom 27. Dezember 1879, S. 151–153.

Drohnenaufnahmen Sommer 2025

Drohnenaufnahmen Sommer 2025

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